Das neue Gesetz, das auf einer EU-Richtlinie aus dem Jahr 2003 beruht, beschränkte die wöchentlichen Arbeitsschichten auf durchschnittlich 48 Stunden und lässt einige Ausnahmen zu, wenn sie über ein halbes Jahr berechnet werden. Angeblich wurden die Arbeitsbedingungen für junge Ärzte (unter anderem Berufstätige) und die Qualität der Versorgung – die am Ende einer quälend langen Schicht von einem erschöpften Arzt operiert werden lassen will– so das Argument– die neuen Regeln haben das österreichische Gesundheitssystem erschüttert. In Österreich und den ähnlich organisierten Ländern ist eine hohe Auslastung aller Gesundheitsniveaus zu beobachten. Im Falle Österreichs kann dies das Ergebnis des Wettbewerbs sein, insbesondere wenn man die hohe Zahl von Fachkräften im ambulanten Bereich, die sehr hohe Zahl von Krankenhausbetten, das Fehlen einer klaren Trennung zwischen der primären und der sekundären Versorgungsstufe und die allgemeine Gesundheitsversorgung bei unreguliertem Zugang zu allen Pflegestufen berücksichtigt. Ein erschwerender Faktor für die Schwäche des Primärversorgungssektors ist, dass die Grund- und Postgraduiertenausbildung in Allgemeinmedizin und Familienmedizin weit hinter den europäischen und internationalen Standards zurückbleibt. Erst vor kurzem wurde eine obligatorische sechsmonatige Ausbildung in einer Hausarztpraxis zu einem Bestandteil der postgradualen Berufsausbildung in der allgemeinen Praxis. Dies ist eine Verbesserung der Situation der letzten Jahrzehnte, in denen im Wesentlichen alle Berufsausbildungen für alle medizinischen Fachrichtungen nur im Krankenhaus angesiedelt waren. In anderen Veröffentlichungen wurde eine hohe Auslastung des Sekundärversorgungssektors in Österreich festgestellt, wobei die Nutzung des Sekundärgesundheitswesens in Österreich im Vergleich zu Ländern mit Gatekeeping-Systemen mehr als zwei- bis dreimal so hoch ist wie in Ländern mit Gatekeeping-Systemen [12,13,15]. Im Gegensatz dazu haben Studien aus den USA und England gezeigt, dass die Verringerung der Krankenhausaufenthalte mit einem hohen Anteil von Hausärzten im Vergleich zu Spezialisten verbunden ist [40,41]. Jede dieser Studien bietet ähnliche Gründe dafür, warum die Auslastung akademischer medizinischer Zentren in Japan sehr hoch ist, nämlich die freie Verfügbarkeit und der einfache Zugang in dicht besiedelten Regionen sowie die tertiäre ausgesiebte Aus- und Weiterbildung von Medizinstudenten und jungen Ärzten [21,28,33,34].

In Korea hat das NHI inzwischen eine allgemeine Gesundheitsversorgung eingeführt, und es gibt keine abgegrenzte Grenze zwischen Primärversorgung und Krankenhausversorgung. In Österreich ist die Situation ähnlich, ohne dass klar zwischen Primär- und Sekundärversorgung, minimalen oder gar keinen Kosten aus der Tasche und mangelnder Notwendigkeit für eine Fachüberweisung unterschieden wird.